Effektivität durch informelles Lernen

person holding pencil near laptop computerViele Unternehmen verfügen heutzutage immer noch über eine Lern- und Trainingskultur, in der Lernen (in klassischen Präsenzseminaren sowie mit E-Learning-Formaten) als Sammeln von Vorratswissen betrachtet wird. Die Unternehmen sind damit beschäftigt, das formale Lernen zu optimieren und den Mitarbeitern ein breites Angebot an unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten. Eine solche Lern- und Trainingskultur kann die Anforderungen an das Lernen im Kontext der heutigen Prozesse und Dienstleistungen nicht mehr ausreichend erfüllen. In einem früheren Blogartikel haben wir daher schon einmal über die Wichtigkeit von Praxisnähe beim Lernen berichtet.

 

Vergessenskurve nach Ebbinghaus

 

In formalen Qualifizierungsmaßnahmen erhalten die Mitarbeiter meist zu umfangreiche und detaillierte Kenntnisse geballt in kürzester Zeit. Dieser Ansatz ist nicht immer erfolgsversprechend, da sich Menschen zum einen nur begrenzte Mengen an Informationen merken können und zum anderen Informationen relativ schnell wieder vergessen, wenn sie nicht aktiv verwendet werden können oder als besonders wichtig bzw. nützlich empfunden werden. Das bedeutet, dass sich Menschen nur die Informationen langfristig merken, die sie als relevant einstufen und unmittelbar benötigt werden oder angewendet werden können. Alle anderen Informationen werden in relativ kurzer Zeit vergessen (siehe Vergessenskurve nach Ebbinghaus).

 

Lernen und das 70:20:10-Modell

 

Wie können Mitarbeiter in Unternehmen erfolgreicher lernen? Hier lohnt sich ein Blick auf das 70:20:10-Modell.
Es besagt, dass ein Großteil des Lernens und der beruflichen Weiterentwicklung der Mitarbeiter heute am Arbeitsplatz stattfindet. Mitarbeiter lernen primär informell aus Herausforderungen und Erfahrungen im Arbeitsalltag und aus dem Austausch und Diskurs mit Kollegen und Vorgesetzten, d.h. in informellen Lernprozessen und nicht in formellen Lernprozessen. Dabei werden die Verteilungen wie folgt beschrieben:

 

70%

des Lernens erfolgt On-the-Job bei der praktischen Anwendung von Wissen oder Gelerntem. Beispielsweise bei der Auseinandersetzung mit fordernden Aufgaben, Problemstellungen, neuen Arbeitsbereichen und Projekten.

 

20%

des Lernens erfolgt in sozialer Interaktion beim Mentoring und Coaching, beim Austausch mit Kollegen oder in sozialen Netzwerken sowie bei der Teilnahme an Gremien und Arbeitskreisen.

 

10%

des Lernens erfolgt in formalen Lernprozessen in Präsenzseminaren, E-Learning- oder Blended-Learning-Maßnahmen oder anderen geplanten Lern- und Trainingsangeboten.

 

Man erkennt, dass 90 Prozent des Lernens in informellen Lernprozessen und nur 10 Prozent in formalen Lernprozessen erfolgt. Zudem wird deutlich, dass Lernen und Arbeiten keine getrennten Prozesse sind, sondern das Lernen größtenteils im Arbeitsalltag und in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen während der Arbeit erfolgt.

 

Angelehnt an den Artikel „Lernen und Leisten im Kontext der digitalen Transformation“ – Blended! Kundenmagazin der inside Unternehmensgruppe (01/2019)

 

 

Welche Erfahrungen mit informellem Lernen hast du schon in deinem Unternehmen gemacht?

 

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Dein Integrata Digital Learning Team

 

 

 

Alle Rechte vorbehalten (Sophia Purmann).

 

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